Wirtschaftsnobelpreis an Richard Thaler

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht 2017 an Richard Thaler von der Universität Chicago. Die Entscheidung ist umstritten, weil Ökonomie-Wissenschaftler lange vom Homo oeconomicus ausgingen. Thaler machte daraus wieder den menschlichen Verbraucher.


Ein Wissenschaftler ändert seine Ansichten

Seit 1992 an der Chicagoer Universität lehrend und forschend, machte Thaler eine bemerkenswerte Wandlung in Bezug auf seine Ansichten durch. Als er 1974 seine Doktorarbeit schrieb, wollte er noch ein Menschenleben nach seinem ökonomischen Wert bemessen. Er folgte seinerzeit Adam Smith und war der Ansicht, dass Menschen für höhere Berufsrisiken umfangreichere Bezahlungen einfordern. Wer also die Fenster eines Hochhauses von innen putzt, tut dies für weniger Geld als sein Kollege an der Außenseite. Damals folgte Thaler noch dem Mainstream und fokussierte den nutzenmaximierenden Menschen.

Richard Thaler repräsentiert mittlerweile die neue Schule

Thalers Ansichten erfuhren erstmals 1996 einen grundlegenden Wandel, vor gut 20 Jahren verlangte er von der Fachwelt eine Ökonomie, die nicht mehr auf dem Homo oekonomicus basiert. Zur Jahrtausendwende forderte er sogar, dass sich die Ökonomik vom Homo oekonomicus abwenden und dem Homo sapiens zuwenden solle. Seit seiner Hinwendung zur Verhaltensökonomik, welche eine völlige Abkehr der einstmals verfochtenen Neoklassik voraussetzte, arbeitet Thaler zunehmend gerne mit einem anderen Nobelpreisträger zusammen: mit Robert Shiller. Beide leiten gemeinsam ein Forschungsprojekt im Segment Verhaltensökonomik des Nationalen Büros für Wirtschaftsforschung.

Die Weiterentwicklung des “Nudge-Konzepts”

Richard Thaler entwickelte diesen Ansatz seit der Jahrhundertwende konsequent weiter und brach damit mit der alten Chicagoer Schule. Liberale Old School Ökonomen sind von seinen Ansichten entsetzt, dass Thaler für einen zwanglosen Paternalismus plädiert, grenzt für sie an Ketzerei. Richard Thaler lassen die Kritiken weitgehend unberührt, er ist davon überzeugt, dass es Wege gibt, um Menschen glücklich und zufrieden zu machen. Demnach sollten gebildetere Menschen ihre weniger wissenden Mitmenschen zu erwiesenermaßen klugen Verhaltensweisen anregen, ohne dass dabei ein Zwang wahrnehmbar ist. Thaler ist jedoch kein Mann der Theorie allein, er liefert zu allen Thesen sinnvolle Argumente.

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