Untergang des europäischen Bankensystems?

Das Bankensystem Europas steht vor enormen Veränderungen. Einer aktuellen IWF-Studie entsprechend ist jedes dritte Institut nicht mehr in der Lage, nachhaltige Gewinne zu erwirtschaften. Ist der drohende Untergang von der EZB gewollt?


Trügerische Ruhe

Die EZB unterzog das europäische Bankensystem im Sommer einem Stresstest, aus dem hervorging, dass die meisten Geldhäuser solide aufgestellt wären. Die Politiker gingen beruhigt in die Sommerpause und werteten erste Anzeichen einer heraufziehenden Krise als nationale Probleme. Der neueste IWF-Bericht zum Bankensystem setzt der trügerischen Ruhe ein jähes Ende. Auch wenn darin nicht vor einer akuten europäischen Bankenkrise gewarnt wird, macht er deutlich, dass sich die Bankenlandschaft Europas dramatisch verändern muss.

Selbst ein markanter Konjunkturaufschwung kann nicht allen helfen

Die europäischen Institute würden von einer wirtschaftlichen Erholung zwar profitieren, aber für ein Drittel der Banken wären die Gewinne für ein Überleben nicht ausreichend. Ein weiteres Viertel wird nur mit Mühe ausreichend profitabel arbeiten können. Der IWF sieht ein Gesamtgeschäftsvolumen von 7.6 Billionen Euro in Gefahr.

Dass sich das Bankensystem Europas neu erfinden muss, um den Untergang zu vermeiden, ist vielen Geldhäusern bereits klar. Sie reagieren auf die Herausforderungen mit massivem Personalabbau, insgesamt sollen 40.000 Arbeitsplätze gestrichen werden.

Die EZB als treibende Kraft

Die Europäischen Zentralbank will das Bankensystem ausdünnen – nach Ansicht der Notenbanker gibt es in den europäischen Nationen zu viele Geldhäuser. Mit ihrer Niedrigzinspolitik schwächt die EZB die Institute ebenso wie mit dem Erwerb von Unternehmenspapieren. Viele Experten sehen hinter der Vorgehensweise eine bestimmte Absicht und vermuten, dass der Stellenabbau bei den Banken von der EZB forciert wird.

Auch die Politik setzt dem Bankensystem zu

Aufgrund der EZB-Geldpolitik können die meisten Institute keine Gewinne mehr realisieren. Doch die bräuchten sie, um den politischen Vorgaben seitens höherer Eigenkapitalquote nachzukommen. Zudem kostet die Umsetzung aktueller Regulierungsvorschriften nicht vorhandenes Geld. Das Bankensystem Europas wird wahrscheinlich nicht an den Herausforderungen scheitern, doch muss es sich erheblich verändern, um zu überleben.

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