Nach Stahl und Kohle nun Banken

Wachsende Spareinlagen, steigende Kreditvergaben und lukrative Wertpapierumsätze resultieren bei den meisten deutschen Banken in ordentlichen Bilanzen. Viele Häuser machen indes wie die Branchen Stahl und Kohle lange anhaltende Strukturkrisen durch.


Große Banken verlieren an Bedeutung

Etwa 775.000 Beschäftigte hatten zur Jahrtausendwende Jobs bei deutschen Banken oder Sparkassen. Mittlerweile hat jeder Dritte Bankmitarbeiter seine Anstellung als Folge des immer intensiver werdenden Strukturwandels verloren. Die Dresdner Bank verschwand bereits vor Jahren, das erste Institut der Republik, die Deutsche Bank, kämpft einen schweren Überlebenskampf. Viele Milliarden Euro wurden aufgrund von schlechtem Management und Fehlverhalten an den Finanzmärkten vergeudet. Das einstige Flaggschiff der Nation spielt im internationalen Geschäft nur noch eine untergeordnete Rolle.

Kaum Aussichten auf Besserung

Seit der Finanzkrise ist der Bund mit 17 Prozent an der Commerzbank beteiligt. Die Geschäftspolitik wurde auf den Mittelstand ausgerichtet. Gelder sollen sowohl im Kerngeschäft als auch bei der Vermögensverwaltung und Anlageberatung verdient werden. Mittelfristig wird es jedoch keine nachhaltige Verbesserung der Zinserträge geben, da die EZB ihre Geldpolitik bis auf Weiteres nicht grundlegend ändert. Die Europäische Zentralbank zwingt die Institute zu innovativen Geschäftsmodellen und in der Branche dominiert Ratlosigkeit.

Kosten senken als Allheilmittel ad absurdum geführt

Geringeren Einnahmen mit dem Rotstift auf der Kostenseite zu begegnen, wurde lange als der einzig richtige Weg erachtet. Filialen wurden geschlossen und Mitarbeiter im großen Stil entlassen, weite Bereiche im Backoffice automatisiert. Mittlerweile erkennen die meisten Banken, dass sie ihre Lage verschlimmert haben, weil massiv Kunden abwandern. Gleichwohl ist der Wettbewerb gnadenlos und drückt auf die Innovationskraft. Er verschärft sich sogar, weil Konkurrenten wie Facebook, Amazon, Google und Co. ins Finanzdienstleistungsgeschäft einsteigen wollen.

Auswege aus der Krise

Noch immer genießen deutsche Banken großes Kundenvertrauen. Dieser Pluspunkt kann zeitnah die Situation verbessern, wenn die Institute ihre Kundschaft wieder in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen. Kundenwünschen gerecht werden und bestmöglichen Service auf allen Ebenen anbieten, könnten ohne aufwendigen Strukturwandel aus der Krise führen.

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