Was kostet eine KWG-Lizenz pro Jahr?

Kosten, Aufwand und geänderter Arbeitsalltag für eine KWG-Lizenz


50 -150 Mio.€ werden oft als Mindestbestand in der Verwaltung genannt, wenn es um die Frage geht, wieviel nötig ist, damit sich eine eigene KWG-Lizenz als Finanzportfolioverwalter rechnet. Die Summe ist natürlich auch stark davon abhängig, ob es ein Büro in bester Lage sein soll oder ob es auch etwas bescheidener geht.

Doch wie aufwändig ist es, „NUR“ die Lizenz zu behalten? Wie viel Zeit und damit auch Geld ist dafür nötig? Wir haben dies exemplarisch an einem Vermögensverwalter mit 50 Mio. € Bestand durchgerechnet.

Hier ergab sich – nur durch die KWG-Lizenz verursacht – ein Arbeitsaufwand von 57,5 Personentagen pro Jahr! Der Löwenanteil davon entfällt auf die Vorbereitung und Begleitung des Jahresabschlusses und der WpHG Prüfung, gefolgt vom Führen des Orga-Handbuches, der Compliance-Prüfung und Protokollierung und weiteren administrativen Aufgaben. Sicher wird dieser zeitliche Aufwand je nach Organisation und Möglichkeiten variieren, er bleibt jedoch auf jeden Fall eine ernstzunehmende Größe. Rechnet man bei einer 5 Tage Woche mit 30 Tagen Urlaub, bleiben von 220 Arbeitstagen nur noch 161,5 Tage für Kunden und sonstige Management- und Verwaltungstätigkeiten übrig.

Laut einer Umfrage des Instituts für Vermögensverwaltung der Hochschule Aschaffenburg ist der von uns kalkulierte Zeitaufwand mit anteilig 25% noch eher gering angesetzt. In der Studie liegt der tägliche Zeitaufwand für Regulatorik und Verwaltung durchschnittlich bei 25-40%!

Da es keine Entlastung für kleinere Vermögensverwalter gibt, bleibt dieser Aufwand als Fixkostenanteil bestehen und ist auch nur bedingt delegierbar, denn die Kontrolle und die Verantwortung dafür bleiben beim Lizenz-Inhaber. Dadurch hat sich bei vielen Vermögensverwaltern auch die Sicht auf ihre tägliche Arbeit verschoben.

„…deshalb bin ich doch nicht Vermögensverwalter geworden!“,

ist oftmals das Resümee der Vermögensverwalter,  wenn sie nach den Veränderungen ihres Arbeitsalltags durch die fortschreitende Regulierungswut der Politik und Aufsichtsbehörden gefragt wurden. Der Schwerpunkt der Tätigkeit hat sich häufig so stark, weg vom Kunden und des Managements von Portfolien, hin zur Verwaltung und Administration verschoben, dass eine KWG-Lizenz manchmal sogar den höchsten Preis kostet – den Spaß an der Arbeit!

Dieser Aufwand wird vor der Beantragung einer KWG-Lizenz oft unterschätzt und bei einer bestehenden KWG-Lizenz oft nicht mehr kritisch hinterfragt. Doch gerade das ist in mehrfacher Hinsicht sinnvoll, da es inzwischen moderne Dienstleistungskonzepte gibt, die eine eigene KWG-Lizenz überflüssig machen. Ein kritischer Blick auf das eigene Geschäftsmodell lohnt sich daher unbedingt:

  • Wird die Lizenz für das eigene Geschäftsmodell wirklich benötigt?
  • Kann das Geschäftsmodell evtl. auch als ausgelagertes Vermögensverwaltungs- / Fondsadvisory Modell abgebildet werden?
  • Wie viel mehr Honorarumsatz /Kunden könnte ich in der Zeit, die ich für den Lizenzunterhalt aufwende, erzielen/betreuen?
  • Hätte ich dann wieder mehr Freude an meiner Arbeit?

Doch mit der Kalkulation des eigenen Zeitaufwandes ist es allein nicht getan. On Top kommen immer auch externe Kosten für den Unterhalt der eigenen Lizenz.

Ohne rechtliche Beratung durch einen Rechtsanwalt wird es selten gehen. Wirtschaftsprüfer und Steuerberater sind zu bezahlen, eine Vermögensschadens-Haftpflichtversicherung (VSH) muss abgeschlossen werden, 1,23% des Umsatzes müssen an die EdW entrichtet werden, hinzu kommt noch die Bafin-Umlage und gegebenenfalls fällt noch ein Beitrag für den Verband unabhängiger Vermögensverwalter (VuV) an. Darüber hinaus sind noch mindestens 50.000 € als Eigenkapital zu hinterlegen, die nicht weiter zu nutzen sind.

Weiter ergeben sich durch die Lizenz noch Qualifikationsanforderungen an den Lizenz-inhaber und dessen Stellvertreter, die sich auch in höheren Personalkosten niederschlagen.

In unserem Beispiel haben wir für den zuständigen Mitarbeiter zur Durchführung der Tätigkeiten mit optimistischen 7.000,- € Gehalt kalkuliert (Tagessatz 350 €).

Schwierig zu kalkulieren ist der Bereich der IT-Systeme, denn welche Software und Infrastruktur sind wirklich notwendig, um eine KWG-Lizenz zu unterhalten? Durch die regulatorischen Anforderungen der MiFID werden Systeme benötigt, die umfassende Funktionen erfüllen müssen: Verlustschwellen überwachen, Zielmarktabgleich, Taping, Kundendaten verwalten, etc..

Rechnet man diese relevanten Faktoren auf Basis unserer Erfahrungen zusammen, ergibt sich in unserem Beispiel ein Aufwand von knapp 87.000 € pro Jahr, nur für den Unterhalt der eigenen Lizenz.

Zur Ermittlung der Gesamtkosten müssen dann natürlich noch die restlichen Kosten des Geschäftsbetriebs draufgerechnet werden.

Wie sieht es aus mit Ihrer Lizenz, lohnt sich der Aufwand noch für Sie?

Gerne können Sie unsere Kalkulation anfordern und mit Ihren Zahlen einen Vergleich erstellen. Zur Optimierung, Ihres aktuellen Geschäftsmodells mit zusätzlichen Ertrags- und Kosteneinsparungsmöglichkeiten stehen wir Ihnen persönlich gerne zur Verfügung.

Autoren: Eric Wiese, Dieter Oetter

Kontakt:

Dieter Oetter

Tel: 040 8222 67 255

E-Mail: doetter@nfs-netfonds.de

 

 

Bildmaterial: studiostoks@fotolia