Kundenwunsch: Finanzdienstleister oder Technologieunternehmen?

Kunden vertrauen ihren Banken mehr als großen Technologiekonzernen, die zunehmend versuchen, in den Bereich der Finanzdienstleistungen einzudringen. Deutsche Institute könnten diese Versuche mit neuer Orientierung erfolgreich ins Leere laufen lassen.


Banken von allen Seiten bedrängt

Die EZB mindert mit ihrer Geldpolitik seit Jahren Zinseinkünfte, auf welche Banken traditionell angewiesen sind. Die Digitalisierung ist kein Allheilmittel, sie animiert sogar branchenfremde Konzerne zum Eindringen in den Finanzsektor. Den Kreditinstituten bleibt bei objektiver Betrachtung nur eine Möglichkeit zum Fortbestand: Sie müssen zurück zu ihren ursprünglichen Aufgaben finden und diese zum Wohl der Kundschaft bestmöglich erfüllen. Ihr bislang einziger Vorteil ist das in sie gesetzte Vertrauen, welches keinesfalls verspielt werden darf.

Der Kunde muss wieder im Mittelpunkt stehen

Renommierte Studien beweisen, dass Kunden zu etablierten Bankhäusern mehr Vertrauen haben als zu Fin-Techs oder multinational agierenden Großkonzernen, die mittlerweile auch das Bankgeschäft für sich beanspruchen. Je nach Fragestellung gaben bis zu 75 Prozent der Teilnehmer an, keinem dieser potenziellen Mitbewerber bei Finanzdienstleistungen zu vertrauen. Ähnliche Ergebnisse kamen in Bezug auf Datensicherheit zutage. Dieser immer noch gegebene Vertrauensvorsprung ist die ideale Grundlage für Finanzdienstleistungen im Interesse der Kundschaft. Gerade die führenden Häuser müssen den Kunden neu entdecken und in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen stellen. Dazu gehört vor allem ein bedarfsgerechtes Angebot.

Kreativität gefragt

Banken können ihren traditionellen Aufgaben nicht mehr in vollem Umfang nachkommen. Die Kreditvergabe wird durch EU-Regulierungen erheblich eingeschränkt und ist angesichts niedriger Margen uninteressant. Vermögensbildung und Sicherung sind weiterhin gefragt, allerdings von einer, kleiner werdenden Zielgruppe.

Ein Teil der Deutschen hat verbesserungswürdige Einkommen und in diesem Bereich gäbe es für kundenorientierte Banker viel zu tun. Kompetente Berater könnten Kunden beim Senken ihrer Ausgaben helfen und für die eingesparten Summen reelle Anlagemöglichkeiten aufzeigen. Bei den Kunden würden derartige Ansätze auf breiten Zuspruch treffen, sie wären zudem für weitergehende Vorschläge offen. Die wünschen sich mehrheitlich bedarfsorientierte Finanzdienstleister und nutzen Technologie-Riesen für Online-Käufe, Kontakte in sozialen Medien, bei der Internetsuche oder zum Erwerb von IT-Hardware.

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