Kündigungswelle anders herum

Die Deutsche Bank will bei den Boni für das vergangene Jahr mehr als 10 Prozent einsparen. Aufgrund der Pläne befürchtet das führende Geldhaus jedoch, dass enttäuschte Mitarbeiter in Scharen kündigen.


Bonus-Summe fällt wieder unter die Marke von zwei Milliarden Euro

Die Bonus-Ausschüttung erreicht damit wieder das Niveau des problematischen Jahres 2016. Für 2017 schüttete die Deutsche Bank 2.2 Milliarden Euro an Boni aus. Gemessen am Stand von 2017 bedeutet dies eine Verringerung der Bonus-Zahlungen um mehr als 10 Prozent. Über die genaue Zahl wird zwar noch entschieden, in einigen Bereichen könnten die Kürzungen aber noch drastischer ausfallen.

Die Sparmaßnahmen der Deutschen Bank geschehen vor einem völlig davon abweichenden Gesamtbild. Investmentbanker bezeichneten weltweit 2018 als ein gutes Jahr, in der gesamten Branche wird daher mit gleichbleibenden oder steigenden Bonus-Zahlungen gerechnet.

Viele Mitarbeiter denken über Kündigungen nach

Der neue Vorstandschef Christian Sewing hat den Aktionären wieder schwarze Zahlen versprochen und muss dazu an der Kostenschraube drehen. 1.000 Arbeitsplätze wurden bereits beim Investmentbanking im Kundenbereich gestrichen, bis zum Jahresende sollen weitere 7.000 Stellen wegfallen. Zahlreiche Banker sind von den Maßnahmen verunsichert und ziehen die Kündigung vor der Entlassung in Betracht. Dass jetzt die Sparmaßnahmen auch auf die Bonus-Zahlungen negative Auswirkungen haben, könnte laut Einschätzung einiger Personalberater eine Abwanderungswelle auslösen. Allerdings sind die Kündigungsabsichten nicht ausschließlich finanzieller Natur, vielen Bankern geht es um kulturelle und strukturelle Probleme.

Leistungsorientierte Boni

In diesem Jahr sollen die Bonus-Zahlungen seitens der Höhe stärker als bisher differenziert werden. Erfolgreiche Banker und Abteilungen können auf mehr Boni als leistungsschwache Mitarbeiter und Bereiche hoffen. Die Deutsche Bank wird damit dem Druck großer Investoren gerecht. Diese drängen bereits seit Monaten zu weniger Boni bei stärkerer Spreizung. Die Maßnahme dürfte jedoch das Problem der Abwanderung nicht lösen. Erfolgreiche Banker sind sogar noch mehr an Veränderungen interessiert, eventuell steigende Boni sind für diese Gruppe kein Grund, dem Bankhaus treu zu bleiben.

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