Harter Brexit: Banker verlassen London

Nachdem sich die Briten für einen Austritt aus der EU entschieden haben, sollen die Banker führender Geldhäuser zu Tausenden von London auf den Kontinent umziehen. Goldman Sachs, UBS und HSBC denken dabei auch an den Standort Frankfurt.


Internationale Großbanken verlassen die City of London

Die EU-Ausstiegspläne Großbritanniens nehmen zunehmend konkretere Formen an und dies beunruhigt die in der Finanzmetropole London ansässigen Institute. Gegenüber dem Handelsblatt gab die US-amerikanische Investmentbank Goldman Sachs bekannt, die Zahl ihrer in der britischen Hauptstadt stationierten Mitarbeiter um fünfzig Prozent zu senken.

Demnach sollen bis zu 1.000 Banker nach Frankfurt umgesiedelt werden, die restlichen Angestellten werden nach Warschau umziehen oder zurück nach New York geschickt.

Das weltweit operierende Geldhaus HSBC will seine Mitarbeiter teilweise aus London abziehen und in die französische Hauptstadt Paris verlagern. Der Wegzug soll nach dem Inkrafttreten des britischen Ausstiegs in etwa zwei Jahren erfolgen und betrifft wahrscheinlich 1.000 Banker.

Wie das Schweizer Institut UBS mitteilte, sollen die in London basierten 5.000 Beschäftigten aufgrund des britischen EU-Ausstiegs um etwa 20 Prozent verringert werden.

Banker befürchten den Verlust der Reisepassrechte

Ohne diese Rechte vermuten die Banken, dass ihnen der Zugang zum europäischen Binnenmarkt erschwert würde. Anlass dazu gab die Premierministerin Theresa May vor wenigen Tagen mit der Bekräftigung, dass das Vereinigte Königreich am Abschied von der EU festhalte. Die Londoner Politiker müssen nun zusammen mit der EU-Kommission in Brüssel aushandeln, welchen Zugang britische Unternehmen danach zu den Märkten Europas haben können. Aus der belgischen Hauptstadt war mittlerweile zu vernehmen, dass es einen sehr harten Brexit geben werde.

Einige Banker überlegten bereits früher den Umzug

Im vergangenen November dachten die Entscheidungsträger von Goldman Sachs an eine Verlegung der Geschäfte nach Frankfurt in die unmittelbare Nähe zur Europäischen Zentralbank nach. Aufgrund der jüngsten Äußerungen aus britischen Regierungskreisen erwarten Beobachter, dass weitere Institute der Investmentbank folgen und ihre Banker aus London abziehen.

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