Der Stellenabbau der Kreditinstitute geht weiter

Deutsche Kreditinstitute bauen mit zunehmendem Tempo Arbeitsplätze ab, weil die Digitalisierung ihnen erhebliche Kosten einspart. Die freigestellten Mitarbeiter finden nur schwer vergleichbare Jobs, oft sind Angebote mit Standortwechsel und Gehaltseinbußen verbunden.


Jeder zweite Banker überflüssig?

Der Chef von Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus kündigte vor Kurzem an, dass die Branche auf jeden zweiten Mitarbeiter verzichten könne, wenn sie die digitalen Möglichkeiten konsequent ausschöpft. Automaten werden im Gegensatz zu menschlichen Angestellten nie krank, stellen keine Ansprüche ans Arbeitsumfeld und müssen im Ruhestand nicht aufwendig versorgt werden. Längst sind die wiederholt stattfindenden Entlassungswellen nicht mehr ausschließlich dem anhaltenden Niedrigzinsniveau zuzuordnen. Das Bankenwesen erkennt seine Chance auf steigende Profitabilität und nimmt sie wahr.

Unauffällig in die Arbeitslosigkeit geschickt

Jede Bank fördert freiwillige Kündigungen mit mehr oder weniger großzügigen Abfindungen, der allgemeine Konsens ist, betriebsbedingte Entlassungen zu vermeiden. Von den Angeboten machen jedoch wenige Banker Gebrauch, weil sie mittlerweile ihre schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt erkannt haben. Mit einem Durchschnittsalter von etwa 45 Jahren sind sie bereits in der Gruppe der schwer Vermittelbaren, die einseitige Qualifikation wirkt sich in berufsfremden Branchen negativ aus. Wenn überhaupt ein Job in der Finanzbranche zur Verfügung steht, ist er mit geringerem Gehalt und verändertem Standort verbunden. Viele warten daher beim bisherigen Arbeitgeber auf das Unvermeidliche.

Selbstständigkeit nur von wenigen als Alternative erkannt

Nach neuen Wegen suchende Bankangestellte trennen sich nur schwer von der vermeintlichen Sicherheit in Bezug auf Job und Gehalt. Ein Weiterarbeiten in Eigenständigkeit wird nur von einer kleinen Gruppe in Betracht gezogen. Das mag an einer völligen Fehleinschätzung der Situation liegen. Der Bedarf an selbstständigen Finanzberatern steigt kontinuierlich, weil viele Bankkunden auf persönliche Konsultation nicht verzichten möchten. Und die gewähren die Geldhäuser zukünftig nur noch sehr vermögenden Kunden, alle anderen müssen mit automatisierter Beratung auf niedrigem Niveau vorlieb nehmen. Der Sprung in die Selbstständigkeit ist zudem weniger riskant und kostenintensiv, wenn er unter dem Haftungsdach eines Unternehmens wie der Netfonds AG vonstatten geht.

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