Bankenmarkt in Deutschland

Über Jahrzehnte war in Deutschland ein Bank-Arbeitsplatz im wahrsten Sinne des Wortes eine “sichere Bank”. Doch diese Zeiten sind vorbei. Filialschließungen, Personalabbau und ein strenger Sparkurs gehören heute zum Alltag deutscher Banken. Und der Prozess der “Gesundschrumpfung” ist nicht einmal abgeschlossen – im Gegenteil.


Folgt man der Unternehmensberatung Oliver Wyman, wird sich die Zahl der Kreditinstitute hierzulande in den nächsten Jahren dramatisch verringern. Danach soll in zehn Jahren noch 150 selbständige Banken in Deutschland existieren. Heute sind es rund 1.900. Damit würden mehr als 90 Prozent der Institute ihre Selbständigkeit aufgeben müssen.

Geschäftsmodell unter starkem Druck

Bis in die 1990er Jahr galt der deutsche Bankenmarkt als stabil und verteilt. Neben den großen privaten Geschäftsbanken bildeten Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken drei – vermeintlich unumstößliche – Säulen der Kreditwirtschaft. Doch im Zeitalter der Globalisierung geriet das bewährte Geschäftsmodell zunehmend unter Druck. Zunächst machten Direktbanken den etablierten Geldhäusern Konkurrenz, dann kam mit dem Internet das Online-Banking auf und trat einen wahren Siegeszug an. Dadurch verlor ein wesentlicher Vorteil “klassischer” Banken – die Präsenz vor Ort über Filialen – seinen Wert. Filialen sind seither eher eine Last, das Filialnetz wird kontinuierlich ausgedünnt – parallel dazu das darin beschäftigte Personal.

Niemand kann sich seiner Existenz sicher sein

Dass nicht einmal Flaggschiffe der Branche ihrer Existenz sicher sein können, zeigt sich am Verschwinden der Dresdner Bank vom Markt oder an den Problemen von Deutscher Bank und Commerzbank. Doch am dramatischsten ist der Anpassungsdruck bei Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Die Regionalinstitute sind noch stark filialisiert, was auch mit ihren Strukturen zusammenhängt. Doch der Zwang zu wirtschaftlichen Betriebsgrößen wird hier Oliver Wyman zufolge in den kommenden Jahren zu einer wahren Fusionswelle führen, die die Zahl der Institute drastisch verringert. Damit eröffnen sich auch zusätzliche Potentiale für weitere Filialschließungen – keine guten Aussichten für dort Beschäftigte und ein Anlass, rechtzeitig über Alternativen nachzudenken.

Bildmaterial: cl-stock@fotolia