Banklenker dürfen keine Risikovermeider mehr sein

Aus Sicht der Beratungsfirma Wyman wird es in wenigen Jahren nur noch 150 deutsche Banken geben. Kein Problem, meint der Geschäftsführer von Procedera Consult, Gispert Beckmann im Hinblick auf die Veränderungskraft der Branche.


Anfangen, unternehmerisch zu denken

Beckmann meint, dass viele Bankchefs nur darauf warten, dass der Druck auf die traditionellen Geschäftsmodelle wieder nachlässt. Diese Einstellung müsse sich ändern, die Verantwortlichen sollten ihre Häuser aus unternehmerischer Perspektive betrachten. Jede Bank muss entscheiden, was genau sie ihren Kunden bieten will, beispielsweise starke lokale Präsenz oder überregionale Unterstützung in der digitalen Welt. Es müssen laut Beckmann Entscheidungen getroffen werden, die Kosten und Nutzen für Kunden berücksichtigen.

Banker sind noch lange keine Unternehmer

Gispert Beckmann definiert Banklenker im Allgemeinen als Riskovermeider, die seit der Bankenkrise von der Aufsicht zu Transparenz und Risikovermeidung gezwungen werden. Erfolg wird in der Bankenbranche an guten Bewertungen von der BaFin gemessen. Banker sind heutzutage auf damit zusammenhängende Mechanismen konditioniert, so Beckmann. Sie verlieren beim Blick auf die Prüfer der BaFin ihre Kunden aus den Augen. Gleichzeitig hofieren sie die Aufsicht wie wichtige Kundschaft und müssten verstehen lernen, dass sie damit falsch liegen.

Welchen Rat gibt Gispert Beckmann den Banklenkern?

Der Proceda Geschäftsführer empfiehlt den Bankern, zunächst Kundenwünsche als Ganzes wahrzunehmen. Nachfolgend sollte jedes Institut den Teil auswählen, der zu seinem Geschäftsmodell passt und diesen so gut wie möglich umsetzen. Zur bestmöglichen Erfüllung gehört aus Sicht von Herrn Beckmann eine gewisse Bereitschaft zum Risiko. Ihm ist bewusst, dass diese Vorgehensweise im Widerspruch zur vorgegebenen Risikoaversion steht. Die Hürde müsse jedoch überwunden werden, weil Risiko für jeden erfolgreichen Unternehmer unvermeidbar ist.

Er ermuntert Banker zudem, digitale Mitbewerber als positive Beispiele zu sehen, denn die versprechen potenziellen Kunden Banking ohne Wenn und Aber. Damit drücken Fin-Techs und Co. tief greifendes Verständnis für die Bankkundschaft aus und stellen sich in den Dienst der Verbraucher.

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