Bankberater wollen mehr verdienen

Als Haftungsdach für eigenständige Anlageberater hat die in Hamburg ansässige NFS Netfonds Financial Service GmbH 100 Bankberater zu ihren Wünschen befragt. Die meisten Berater wollen mehr verdienen, wissen aber, dass ihre Arbeitgeber dem nicht gerecht werden können.


Deutschlands größte Bank auf Sparkurs

Das größte Institut der Republik, die Deutsche Bank kann als Beispiel für die komplette Branche dienen. Der seit Langem äußerst geringen Ertragskraft stehen hohe regulatorische Kosten sowie immense Ausgaben zur Unterhaltung des Filialnetzes gegenüber. Ein Strukturwandel scheint angebracht, konsequentes Sparen soll das Geldhaus wieder in die Gewinnzone führen. Für 25 Prozent der 100.000 Bankmitarbeiter wird die Boni 2017 daher deutlich geringer oder vollständig ausfallen. Während Kunden die Entscheidung begrüßen, schrecken die Bankberater alarmiert auf.

Warum sich Bankberater mehr Einkommen wünschen – und es nicht bekommen

Bei der Umfrage von NFS Netfonds gaben die Befragten als Ursache für die unzureichenden Erträge ihrer Arbeitgeber das anhaltende Niedrigzinsumfeld an. Gleichzeitig steigen die Kosten in vielen Bereichen, dieser Aspekt und immer umfangreichere regulatorische Anforderungen setzen die Banken zunehmend unter Druck. Fast alle befragten Bankberater rechnen daher mit Schließung von weiteren Niederlassungen und Freisetzung der Mitarbeiter.

Unter den verbleibenden Beratern breitet sich Pessimismus aus, denn sie müssen zu ihren eigenen Kunden bald auch die der entlassenen Kollegen betreuen. Damit wird vernünftige Beratung zukünftig kaum mehr möglich sein, doch damit nicht genug. Die betrieblichen Vorgaben in Bezug auf Umsatzziele werden gleichzeitig erhöht, der Druck auf die Berater wächst. Kann ein Bankmitarbeiter den Anforderungen nicht gerecht werden, drohen oft Sanktionen wie Prämienkürzungen.

In diesem Umfeld werden Wünsche nach mehr Gehalt bis auf Weiteres unerfüllt bleiben. Immer mehr Bankberater wagen daher den Schritt in die Selbstständigkeit. Als eigenständige Anlageberater haben sie erheblich mehr Einfluss auf das persönliche Einkommen. Gleichzeitig können sie ihren Kunden wirklich geeignet Anlageprodukte anbieten und leisten somit einen wichtigen Beitrag zum Vertrauensaufbau. Als Bankberater sind sie hingegen zunehmend gezwungen, ausschließlich Investmentprodukte mit hohen Vertriebsmargen zu veräußern.

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